Home E-Mail Sitemap
Reporterleben | Dennis Pfeiffer-Goldmann
    Willkommen > Redakteursalltag > Leseproben > Warum das Wetterauer Ei sicher ist


Warum das Wetterauer Ei sicher ist

Margarethenhof von Bauer Kliem in Karben produziert Futter selbst - wegen Dioxin-Skandal Sorge vor Umsatzrückgang

Von Dennis Pfeiffer-Goldmann




F�r Unruhe sorgt der Dioxin-Skandal bei den Verbrauchern in der Wetterau. Dabei k�nnen sie auf sichere Eier vertrauen � von �rtlichen Landwirten. Der gr��te, Bauer Kliem in Kloppenheim, setzt daf�r seit Jahren auf selbst erzeugtes Futter.

Karben. Zehn Eier Gr��e L haben Dieter Wichert und seine Frau in ihrer Einkaufstasche stecken, als sie den Hofladen des Margarethenhofs verlassen. Ein Einkauf mit gutem Gewissen? �Auf jeden Fall. Daf�r fahren wir extra aus Frankfurt-Bornheim hierher.� Denn bei Bauer Kliem bekommen sie Eier, die nicht mit Dioxin oder anderem verseucht sein k�nnen. Daf�r braucht er keine Bio-Produktion, sondern er arbeitet konventionell � aber eben sauber und korrekt.

40 000 bis 50 000 Eier legen die 62 000 Hennen von Bauer Kliem jeden Tag � und decken damit doch nur zwei Prozent des t�glichen Bedarfs im Rhein-Main-Gebiet. Trotz der Gr��e haben die Kliems bereits vor mehr als 15 Jahren umgesteuert: Seitdem erzeugen sie ihr eigenes H�hnerfutter aus Getreide. �Das ist Konsumware, wie sie auch in die M�hle geht�, berichtet Seniorchef Karl August Kliem.

Jede Lieferung kontrolliert

Hinzu mischt der Betrieb noch eine Mischung aus gentechnikfreiem Sojaschrot und Mineralstoffen. Lieferant ist Raiffeisen. Jede Lieferung werde kontrolliert, berichtet Kliem. Zum Beweis zieht er im B�ro den Ordner mit den Laborergebnissen hervor. Zwar ist das Selbstmischen aufwendiger. �Aber uns ist seit Jahren einfach das Risiko zu gro�.� Einen Skandal, wie ihn tausende b�uerliche Betriebe derzeit bundesweit erleben, kann sich die Kliem nicht leisten. �Ein solcher Fehler w�re doch t�dlich f�r uns.� Also gehen die Kliems kein Risiko ein.

Das hat Folgen: Der Margarethenhof muss mehr Aufwand und Geld in die Futterproduktion stecken. Das macht sich � wenn auch minimal � in den Eierpreisen bemerkbar. Daf�r k�nnen sich die Kunden darauf verlassen, nur �saubere� Eier zu kaufen.

�rger �ber Panscher

F�r die Verantwortlichen des Dioxin-Skandals in Norddeutschland hat Karl August Kliem kein Verst�ndnis. �Ein Versehen kann ich mir nicht vorstellen, diese Leute geh�ren hinter Schloss und Riegel.� Wenngleich er die Situation nachvollziehen kann: Binnen eines Jahres h�tten sich die Futtermittelpreise verdoppelt, die Verkaufspreise f�r die Eier aber seien gleich geblieben. So laste auf den Futtermittel-Produzenten starker Kostendruck. �Da wird dann nat�rlich nach allen M�glichkeiten gesucht, das Futter mit Billigkomponenten noch billiger zu machen�, sagt der Seniorchef.

Selbst wenn seine Eier vom Dioxin-Skandal nicht betroffen sein k�nnen, ja, wenn Legehennen in Hessen gar nicht betroffen sind, bef�rchtet Kliem dennoch Umsatzeinbu�en. Deshalb hat Sohn Karl Wilhelm gerade gestern ein Info-Schreiben an alle gr��eren Kunden versendet, indem er erkl�rt, warum Kliems Eier ungef�hrlich sind.

Denn gut m�glich sei, dass nun viele Konsumenten einfach weniger Eier ��en � was mit der ganzen Branche dann auch die Kloppenheimer betreffe. Weniger Umsatz br�chte Kliem neue Sorgen: Er hat in den vergangenen zwei Jahren 2,5 Millionen Euro f�r neue St�lle investiert, weil die deutschen Beh�rden strengere Vorgaben machten: Voli�ren statt St�lle (die FNP berichtete). Da dar�ber viele kleine Betriebe hierzulande aufgaben, werden nun wesentlich mehr Eier aus Osteuropa nach Deutschland importiert.

Eine Hoffnung hat Landwirt Kliem noch: Viele Kunden kauften inzwischen s�mtliche ihrer Eier bei ihm � w�hrend sie bislang noch f�r Kuchen und �hnliches billigere Eier vom Discounter zukauften.

So etwas kommt f�r Dieter Wichert und seine Frau nicht infrage. �Wir kaufen alle unsere Eier hier�, sagt der Bornheimer in der T�r des Hofladens. �Wir wollen sie mit einem guten Gef�hl essen k�nnen.�

Frankfurter Neue Presse, 8. Januar 2011