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Reporterleben | Dennis Pfeiffer-Goldmann
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Babyboom schafft Arbeitsplatz

Darüber spricht man in: Schwarzbach - 17-facher Nachwuchs in einem Jahr / Gemeinde beliebt bei jungen Familien

Von Dennis Pfeiffer-Goldmann


Die Muttis begleiten ihre kleinen Wonneproppen am Donnerstag zur Eröffnung von Bettina Vales Kinderkrippe. Foto: Steffen Rasche

Kinder machen gl�cklich. Ob es diese Weisheit war, die den 650 Schwarzbachern in diesem Jahr bereits 17-fachen Nachwuchs bescherte, oder eher wohlgesonnene St�rche, schlie�lich wird ihrer allj�hrlich gehuldigt? Auf jeden Fall: J�ngste Schwarzbacherin ist Emilie Fee. Sie erblickte am 30. November das Licht der Welt. Die Kleine wurde in einen Ort hineingeboren, der mit sich und der Welt weitgehend zufrieden ist.

Schwarzbach. "In der Rubrik Meckern sind wir gar nicht so f�ndig geworden", sagt B�rgermeisterin Gabriele Theiss. Mit dem Gemeindevorstand hatte sie kurz beraten, was man denn dem RUNDSCHAU-Reporter erz�hlen k�nne, was den Schwarzbachern unter den N�geln brennt. "Viel meckern kann man eigentlich nicht. " 

Die 650 Bewohner von Schwarzbach selbst haben daf�r gesorgt, dass ihr Dorf ein Schmuckst�ck ist. Hier wirkt es entlang der Stra�e vor jeder Scholle noch sauberer als anderswo. Das Zusammenleben im Ort sei intakt, das Engagement der B�rger f�r ihre Gemeinde gro�, berichtet B�rgermeisterin Theiss stolz. "Jedem, der neu hierher zieht, reichen wir die Hand." Das �u�ert sich ganz praktisch: Neu-Schwarzbacher werden beispielsweise gebeten, mal ehrenamtlich beim Dorffest zu helfen. "Eine Stunde Dienst an der Biertheke, und schon kennt man sich."

Schwarzbach, das sind zwei Drittel der Gemeinde Schwarzbach/Biehlen. B�rgermeisterin Theiss meint zu wissen, dass der Ort Gewinner ist bei der Flucht der Menschen aus den St�dten. Viele junge Familien z�gen aufs Land, weil hier ihre Kinder in ges�nderer Umgebung aufwachsen k�nnten. �ber 50 Arbeitspl�tze sind im Ort vorhanden, drei mittelst�ndische Betriebe haben ihr Domizil an der Hauptstra�e. "Viele fahren zur Arbeit bei der BASF, bei Vestas oder den Verwaltungen in Senftenberg", erl�utert Gabriele Theiss.

Auf das schmucke B�rgerhaus in der Hauptstra�e und die neue Feuerwehr am Festplatz sind die Schwarzbacher stolz. Den Festplatz haben die D�rfler weitgehend in Eigenregie und mit Unterst�tzung des Bauhofes eingerichtet, samt B�hne, Spielplatz, Sitzecken. Doch haben die Schwarzbacher hier auch noch einen � zugegeben gro�en � Wunsch: Ihren Festplatz w�rden sie gern perfekt herrichten zur 550-Jahr-Feier im Jahr 2005.

Altes Schloss wird renoviert

Eine gr��ere B�hne, �berdachung f�r Tanzfl�che und Kegelbahn, ein paar Grillpl�tze, eine Einfriedung zur Sicherheit der Kinder und mehr Spielger�te d�rften es sein. 750000 Euro sehen die Planungen vor; Gemeinde, das Amt Ruhland und � wenn�s klappt � auch Kreis und Land sollten das gemeinsam schaffen, hofft die B�rgermeisterin. "Wir wollen so wenig Aufwand wie m�glich betreiben. Das soll keine Puppenstube werden, die niemand nutzt."

Denn das ist bisher anders: Der Festplatz samt benachbartem, neuen Sportplatz ist Dreh- und Angelpunkt des Lebens im Ort. Alle gro�e Feste gehen hier �ber die B�hne, beispielweise auch der Storchentag Ende Juni, der Besucher aus weitem Umkreis anlockt. Und dann sind da noch Kutschertreffen, Kranzstecken und Hahnschlagen, das Sch�tzenfest ...

Ein Stein war den Schwarzbachern im vergangenen Jahr vom Herzen gefallen. F�r ihr altes Schloss, das neobarocke Gutshaus, hatte sich ein K�ufer gefunden. Ein Forschungsinstitut aus Wien will das herunter gekommene Bauwerk, das Ende der 80er-Jahre nach bergbaubedingten Grundwassersenkungen unbewohnbar geworden war, auf Vordermann bringen. Zur Freude in Schwarzbach ist es erkl�rtes Ziel der �sterreicher, sich ins Dorfleben einzugliedern. Ein zweiter Jugendclub am Ort � neben dem in der fr�heren Milchrampe � soll demn�chst im Keller er�ffnen. Und B�rgermeisterin Theiss tr�umt schon von der Dorfbibliothek in einem Raum des Hauses. "Irgendwo sind sie verr�ckt, aber dass muss man wohl sein", attestiert sie den Neu-Schwarzbachern mit einem Lachen.

Apropos St�rche: Der Baby-Boom f�hrt den Schwarzbachern derzeit schmerzlich vor Augen, dass sie weder Kindergarten noch Schule am Ort haben. Diese Marktl�cke f�llt nun Bettina Vales. Die 35-J�hrige, gelernte Kinderg�rtnerin hat diese Woche eine Tagespflegegruppe er�ffnet. Mit wenig Mitteln richtete sie ein paar Zimmer im Regenbogenhaus in der Guteborner Stra�e trotzdem liebevoll und wundersch�n her. "Ich habe noch keine Werbung gemacht, und trotzdem rennen mir die Eltern die Bude ein", berichtet sie. Maximal f�nf Kinder bis 10 Jahre kann sie betreuen � schon jetzt hat sie die Anfrage der sechsten Mami.

So ordentlich wie der Ort wirkt, so sp�rbar ist die Spannung. Denn Schwarzbach hat sich beteiligt am Wettbewerb "Unser Dorf soll sch�ner werden" . Am n�chsten Donnerstag wird die Entscheidung im Kreistag verk�ndet, wer gewonnen hat. B�rgermeisterin Theiss h�lt die B�lle flach. "Och, vielleicht haben wir ganz gut abgeschnitten, aber gegen die Orte im Spreewald haben wir wohl keine Chance."

Lausitzer Rundschau, 30. November 2002